Ein Plädoyer gegen Corona-Impfskepsis

Die Nachricht teilen:

Share on facebook
Share on linkedin
Share on twitter
Share on email

Auch in der letzten Bürgerschaftssitzung gab es wieder absurde Vorwürfe der Rechtspopulisten, die Maßnahmen, wie die  jetzt vom Senat beschlossene 2-G-Regelung, würden die Gesellschaft spalten – umgekehrt wird ein Schuh draus. Die AfD verharmlost Corona, verbreitet Fake News und betreibt damit selbst pure Spaltungspolitik.

Und leider fällt dies immer noch auf viel zu fruchtbaren Boden. Einer aktuellen Forsa-Umfrage zufolge haben zwei Drittel der Ungeimpften die AfD oder die „Querdenker“-Partei „Die Basis“ gewählt.

Aber es gibt nicht nur Impfverweigerer oder -gegner, sondern nach wie vor viele skeptische Menschen.

Deshalb hier noch einmal die Fakten – es gibt vier einfache, aber schlagkräftige Gründe für eine Corona-Impfung, die allesamt  wissenschaftlich bewiesen wurden:

  • Es ist weniger wahrscheinlich, dass man krank wird,
  • man hat bei Erkrankung einen sehr viel weniger wahrscheinlichen schweren Verlauf,
  • es ist sehr viel weniger wahrscheinlich, dass man an  Corona stirbt, nämlich 32-mal unwahrscheinlicher,
  • man schützt andere Menschen, zum Beispiel, weil man selbst im Zweifel kein Bett im Krankenhaus oder gar auf der Intensivstation braucht.

Inzwischen werden Krebsoperationen verschoben, weil so viele Coronapatienten im Krankenhaus sind. Es sterben Menschen, weil sie nicht operiert werden. Genau jetzt, in diesem Moment.

Diesen Herbst wurden bei einer Umfrage über 3000 Menschen in Deutschland gefragt, warum sie bisher nicht geimpft sind. Sie äußerten folgende „Argumente“: Nicht ausreichende Erprobung des Impfstoffs, Angst vor Nebenwirkungen und Angst vor Langzeitfolgen.

Zunächst zur Frage „Ist der Impfstoff nicht ausreichend erprobt?“

Inzwischen sind weltweit 3,2 Milliarden Leute vollständig geimpft. Es gibt eigentlich keinen Impfstoff, der schneller und intensiver bei mehr Menschen geimpft und damit ja auch ständig erprobt wird.

Und viele glauben, dass die sogenannten mRNA-Impfstoffe (dazu gehören Biontech und Moderna) völlig neu sind. Das stimmt so nicht. mRNA-Impfstoffe werden seit 1993 erforscht, also seit 28 Jahren. Seit Mitte der Neunzigerjahre werden sie Tieren gespritzt. Seit 2002, seit fast 20 Jahren, werden mRNA-Impfstoffe an Menschen getestet. mRNA ist also nicht neu.

Und es heißt zwar »mRNA«, und diese Abkürzung hat mit dem Erbgut zu tun – aber die Impfung verändert nicht das Erbgut. Die Behauptung, dass die Impfung ein „Gen-Experiment“ sei, ist einfach falsch.

Und warum war der Impfstoff gegen Corona so „verdächtig“ schnell da?

Ganz einfach: Es gab 2012 schon mal einen nahen Verwandten des heutigen Coronavirus namens »MERS« – seitdem wird an Impfstoffen geforscht. Deshalb konnte die Wissenschaft jetzt so schnell reagieren, auch weil völlig neue, digitale Instrumente in der Forschung angewendet wurden. Die Digitalisierung macht fast alles schneller.

Zweitens: Die Nebenwirkungen.

Ja, es kann Nebenwirkungen geben. Und leider stimmt es auch, dass in der Vergangenheit nicht immer offen und ehrlich über Nebenwirkungen von Medikamenten und Impfungen gesprochen worden ist. Aber bei den Coronaimpfungen werden die Nebenwirkungen nicht verschwiegen, sondern intensiv erforscht und regelmäßig veröffentlicht. Es gibt dafür sogar eine App vom staatlichen Paul-Ehrlich-Institut mit dem Namen »SafeVac«.

In den allermeisten Fällen fühlen sich die Nebenwirkungen an wie eine leichte Grippe, wenn sie überhaupt auftreten. Zu den schlimmsten Nebenwirkungen gehören bei den meistverwendeten Impfstoffen von Biontech und Moderna Herzmuskelentzündungen. Aber die sind wie alle schwereren Nebenwirkungen bei der Coronaimpfung absolut selten.

In den USA wurden von einer Krankenkasse zwei Millionen Versicherte untersucht: Auf 100.000 Corona-Geimpfte kamen 2,8 Menschen mit Herzmuskelentzündungen. Die Wahrscheinlichkeit dafür ist also kleiner, als aus einem Skat-Kartenspiel dreimal hintereinander zufällig die exakt gleiche Karte zu ziehen. Und das Wichtigste: Alle Erkrankten haben überlebt. Trotzdem ist eine Herzmuskelentzündung eine ernste Sache – doch die Wahrscheinlichkeit, eine Herzmuskelentzündung durch eine Covid-Erkrankung zu bekommen, ist deutlich höher.

Das gilt auch für andere Komplikationen: Wenn man alle Nebenwirkungen zusammennimmt, sind sie viel seltener und viel ungefährlicher als die Auswirkungen der Corona-Erkrankung. Covid-19 ist nämlich richtig gefährlich, spätestens seit es die Delta-Variante des Virus gibt, auch für junge Menschen. Die Krankheit ist auch nicht mit der Grippe zu vergleichen, sie ist gefährlicher. Covid-19 kann zu Schlaganfällen und Hirnblutungen führen, zu monatelangen Schwächezuständen, zu Herzkrankheiten und natürlich auch zum Tod. Von den Leuten, die wegen Corona beatmet werden müssen, sterben ungefähr die Hälfte.

Es bleibt immer eine Nutzen-Risiko-Abwägung, aber im Grunde läuft es auf genau eine Wahl heraus, vor der die Menschen jetzt stehen: Entweder man lässt sich impfen oder man infiziert sich. Bloß lässt sich nicht abschätzen, wie die eigene Corona-Erkrankung verläuft. Natürlich kann sie mild verlaufen – aber sie kann auch schlimm ausgehen. Und womöglich steckt man wiederum andere an, die vielleicht sehr krank werden oder sterben.

Wer übrigens auf einen sogenannten Totimpfstoff wartet, sollte sich das noch einmal gut überlegen. Es ist nämlich unklar, wann Totimpfstoffe in der EU zugelassen werden und auch, wie gut sie gegen die neuen Varianten vom Coronavirus wirken.

Bleibt noch die dritte große Befürchtung, warum so viele Leute mit der Impfung zögern: Langzeitfolgen.

Dahinter steckt vielleicht das größte Missverständnis, denn wissenschaftlich betrachtet bedeutet „Langzeit“ nämlich ein paar Tage bis maximal Wochen. Alle Wirkungen und Nebenwirkungen von Impfungen zeigen sich recht schnell nach der Impfung. Es kann zwar sein, dass Betroffene unter manchen Nebenwirkungen letztlich längere Zeit zu leiden haben. Es kann auch sein, dass eine Nebenwirkung erst nachträglich mit der Impfung in Verbindung gebracht wird. Doch es gibt bisher keinen verifizierten Fall bei irgendeiner Impfung, wo ein paar Jahre später plötzlich irgendwelche überraschenden neuen Folgen aufgetreten sind.

Leider gibt es viele Gerüchte und Lügen zu Nebenwirkungen und Langzeitfolgen. Zum Beispiel, dass die Impfung impotent oder unfruchtbar macht. Das ist einfach falsch, es gibt keine seriöse Untersuchung, die das bestätigt. Im Gegenteil haben schon unglaublich viele geimpfte Menschen Kinder gezeugt und zur Welt gebracht.

Am besten ist es, dass man als noch skeptischer, noch nicht geimpfter Mensch mit Leuten spricht, die sich bereits haben impfen lassen, oder mit Freunden oder Bekannten, die unter Corona gelitten haben  – oder schlichtweg mit der Hausärztin oder dem Hausarzt.

Quellen: Robert Koch Institut (RKI), der SPIEGEL und die ZEIT.